'Untertage-Lauf führt durch altes Bundeswehr-Depot' – Vorbericht Braunschweiger Zeitung v. 30.5.2012

Braunschweiger Zeitung vom Mittwoch, dem 30. Mai 2012

Seite 10 – Niedersachsen und die Region

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Untertage-Lauf führt durch altes Bundeswehr-Depot

Christian Hottas organisiert eine ungewöhnliche Veranstaltung in Blankenburg

Von Holger Dumke

BLANKENBURG. Der Mann ist stets auf der Suche nach neuen verrückten Orten. Jetzt hat Christian Hottas wieder einen gefunden: das Untertage-Sanitätsdepot der Bundeswehr in Blankenburg im Harz.

„In einem militärischen Sicherheitsbereich, der noch in aktivem Dienst steht – da bin ich bisher noch nicht gelaufen“, sagt Hottas. Höchste Zeit also, dass sich das ändert. Am 18. Juni, einem Montag, veranstaltet der Hamburger dort einen Marathon – 30 Runden, immer durch den Berg. 100 Läufer können um 9 Uhr an den Start gehen.

Christian Hottas läuft und läuft. Der 56-jährige Sportarzt und Allgemeinmediziner aus Hamburg ist der amtierende Weltranglistenerste – was die Zahl der gelaufenen Marathons betrifft. 1854 Mal ist Hottas bisher eben jene 42,195 Kilometer gelaufen – oder auch länger. Jede Woche, vor allem aber jedes Wochenende kommen weitere Marathons hinzu – oder Ultraläufe.

„Marathonlaufen kann man fast überall“, sagt der Hamburger. In der Tat: In Wesel am Niederrhein ist er mit Enthusiasten schon auf einer alten Rheinbrücke Marathon gelaufen, die wenige Wochen später abgerissen wurde. 44 Mal auf und ab, bis die vorgegebenen 42,195 Kilometer zusammenkamen. Ebenso auf einem alten Bahnhof in Norddeutschland, der nie in Betrieb genommen wurde, und in einem versunkenen Stadtteil von Hamburg, von dem nur noch karge Reste stehen, weil er in den 90er Jahren einem Container-Terminal weichen musste.

Ein Tipp brachte Christian Hottas nun auf das Sanitätsdepot in Blankenburg – ein in den letzten Weltkriegsjahren noch von den Nazis in einem Berg angelegter Komplex, der später von der Nationalen Volksarmee genutzt wurde. 1992 hat die Bundeswehr die Anlage übernommen. Sie versorgt von dort aus heute unter anderem ihre Einheiten im Auslandseinsatz, etwa in Afghanistan oder im Kosovo. Im Januar schrieb Hottas den Standortältesten der Harz-Kaserne an: „Und der hat mich wenige Tage später angerufen und gesagt, die Idee mit dem Marathon ist so beknackt, dass er sie richtig gut findet“, erzählt Hottas.

Kurzum: Ende April gab es einen Ortstermin, alle nötigen Genehmigungen liegen laut Hottas vor – und ebenso schon etwa 30 Anmeldungen. Was die Läufer erwartet? Die Strecke beginnt, wie der Organisator erzählt, gleich, nachdem man das 100 Tonnen schwere Atombomben sichere Eingangstor passiert hat, an einer riesigen Verladerampe, auf der auch Zuschauer Platz finden.

Dann führt ein 260 Meter langes Auftakt-Stück zu einer 1398 Meter langen Runde aus Gängen und Fluren, die 30 Mal passiert werden muss – damit die Marathon-Distanz zusammenkommt.

Die Gänge sind sehr breit, mit Neonlicht erhellt: „Das ist, als wenn man einen Flur entlangläuft, nur dass die Decke aus purem Fels ist“, erzählt Hottas. Insgesamt verfüge das Depot wohl über sehcs bis acht Kilometer Gänge. Die Laufbedingungen sind offenbar gut – konstant 18 bis 20 Grad Temperatur, 40 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, keine Steigungen.

* Der Autor ist Redakteur bei der Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung.

7.6.12 21:47

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